
Die Sonne im Herzen tragen – wenn die dunkle Jahreszeit aufs Gemüt schlägt
Die Tage werden kürzer. Morgens liegt Nebel über den Strassen, am Nachmittag verschwindet das Licht immer früher und manchmal scheint der Himmel tagelang nur aus verschiedenen Grautönen zu bestehen. Mit dem Herbst verändert sich nicht nur die Natur – auch wir selbst werden häufig ruhiger.
Vielleicht fällt das Aufstehen schwerer. Die Energie fehlt, wir möchten uns häufiger zurückziehen oder fühlen uns melancholischer als noch während der hellen Sommertage.
Und weisst du was? Wir müssen im Herbst nicht jeden Tag gut gelaunt sein.
Die dunklere Jahreszeit darf leiser sein. Entscheidend ist vielmehr, wahrzunehmen, was Körper und Seele gerade brauchen – und zu erkennen, wann aus einem vorübergehenden Herbsttief mehr wird.
In diesem Blog erfährst du, warum Licht unsere Stimmung beeinflussen kann, was hinter dem sogenannten Herbst- oder Winterblues steckt und wie du auch an grauen Tagen ein wenig Sonne im Herzen tragen kannst.
Warum Dunkelheit unsere Stimmung beeinflussen kann
Tageslicht ist einer der wichtigsten Taktgeber unserer inneren Uhr. Es hilft unserem Körper dabei, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu regulieren.
Wenn im Herbst und Winter die Tage deutlich kürzer werden, verändert sich unsere tägliche Lichtexposition. Gleichzeitig verbringen wir häufig mehr Zeit in Innenräumen und bewegen uns weniger draussen.
Manche Menschen bemerken deshalb während der dunkleren Monate Veränderungen wie mehr Müdigkeit, weniger Antrieb oder ein stärkeres Bedürfnis nach Rückzug.
Ein solches saisonales Tief ist zunächst nicht automatisch eine Depression.
Herbstblues oder Winterdepression
Ein grauer Tag darf auch einmal auf die Stimmung schlagen. Vielleicht möchtest du lieber auf dem Sofa bleiben, fühlst dich müde oder hast einfach weniger Energie.
Davon zu unterscheiden ist die saisonal abhängige Depression, häufig auch Winterdepression genannt. Sie ist eine Form der Depression, bei der depressive Episoden wiederholt zu einer bestimmten Jahreszeit auftreten – typischerweise im Herbst oder Winter.
Anzeichen können unter anderem eine über längere Zeit anhaltende gedrückte Stimmung, Interessenverlust, starke Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme oder Veränderungen von Schlaf und Appetit sein.
Wenn solche Beschwerden länger anhalten, stärker werden oder den Alltag deutlich beeinträchtigen, gehören sie ärztlich oder psychologisch abgeklärt.
7 kleine Sonnenstrahlen für graue Tage☀️
- Such das Tageslicht
Auch wenn sich die Sonne hinter einer dicken Wolkendecke versteckt, lohnt es sich, nach draussen zu gehen. Nutze insbesondere die helleren Stunden rund um den Mittag für einen Spaziergang oder eine kleine Pause im Freien. - Beweg dich – ohne Leistungsdruck
Es muss kein Sportprogramm sein. Ein Spaziergang durch das Herbstlaub, etwas Yoga, Stretching oder eine Runde mit dem Fahrrad bringt Bewegung in den Alltag. Entscheidend ist nicht die Leistung, sondern dass es dir guttut. - Schaff dir Wärme
Lieblingspullover, warme Dusche, Tee, Suppe oder eine kuschelige Decke: Gerade wenn es draussen ungemütlich wird, können kleine Wohlfühlrituale Geborgenheit schaffen. - Bleib mit Menschen verbunden
Wenn wir uns müde oder niedergeschlagen fühlen, ziehen wir uns manchmal automatisch zurück. Ein gemeinsames Essen, ein Telefonat oder ein Spaziergang mit einem lieben Menschen kann dann besonders wertvoll sein. - Gib deinem Tag Struktur
Regelmässige Schlafenszeiten, Mahlzeiten, Bewegung und kleine feste Rituale können gerade während der dunklen Monate Halt geben. - Plane kleine Lichtblicke
Nicht jeder Tag braucht ein grosses Highlight. Lieblingsessen am Mittwoch. Kaffee mit einer Freundin am Freitag. Ein neues Buch fürs Wochenende. Kleine Dinge, auf die wir uns freuen können, zählen. - Akzeptiere auch die grauen Tage
Vielleicht der wichtigste Punkt: Du musst nicht gegen jede schlechte Stimmung ankämpfen. Ein ruhiger Tag darf ein ruhiger Tag sein. Selbstfürsorge bedeutet manchmal auch, sich nicht ständig zum Funktionieren zu zwingen.
Licht als wichtiger Begleiter
Gerade bei saisonalen Stimmungsschwankungen spielt Licht eine besondere Rolle.
Neben möglichst viel natürlichem Tageslicht wird bei einer diagnostizierten saisonalen Depression auch Lichttherapie eingesetzt. Dabei kommen spezielle Lichttherapielampen mit hoher Lichtintensität zum Einsatz.
Eine solche Behandlung sollte insbesondere bei bestehenden Erkrankungen, Augenerkrankungen oder Medikamenteneinnahme vorher mit einer medizinischen Fachperson besprochen werden.
Eine normale Wohnraumlampe ersetzt eine therapeutische Tageslichtlampe übrigens nicht.
Ernährung und Nährstoffe in der dunklen Jahreszeit
Auch wenn kein Lebensmittel schlechte Stimmung einfach verschwinden lassen kann, bleibt eine ausgewogene Ernährung ein wichtiger Bestandteil unseres allgemeinen Wohlbefindens.
Einige Nährstoffe erfüllen Funktionen, die während der dunkleren Jahreszeit besonders häufig thematisiert werden:
- Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems sowie zur Erhaltung normaler Knochen und Muskeln bei. Die körpereigene Bildung hängt wesentlich von der Sonneneinstrahlung auf die Haut ab.
- Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.
- Vitamin B6 und B12 tragen zu einem normalen Energiestoffwechsel und einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
- Folat trägt zu einer normalen psychischen Funktion bei.
Nahrungsergänzungsmittel sind jedoch keine Behandlung einer Depression. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, hängt vom individuellen Bedarf ab. Gerade bei Vitamin D kann bei Unsicherheit eine medizinische Abklärung der Versorgung sinnvoll sein.
Extra-Tipp:
Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe zehn kleine Dinge darauf, die dir guttun.
Vielleicht sind es:
Lieblingsmusik. Ein Waldspaziergang. Eine warme Suppe. Dein Lieblingsmensch. Ein Telefonat. Der Duft von Kaffee. Eine Stunde ohne Smartphone. Ein gutes Buch. Bewegung. Oder einfach zehn Minuten Ruhe.
Bewahre diese Liste auf.
Denn an manchen grauen Tagen fällt uns ausgerechnet das nicht mehr ein, was uns normalerweise guttut.
Wenn aus Grau Dunkel wird
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen einem schlechten Tag und einer psychischen Erkrankung.
Wenn Niedergeschlagenheit über längere Zeit anhält, du kaum noch Freude empfindest, dich stark zurückziehst oder Schlaf, Appetit, Konzentration und Alltag deutlich beeinträchtigt sind, solltest du dir professionelle Unterstützung holen.
Und wenn Gedanken auftreten, nicht mehr leben zu wollen oder sich selbst etwas anzutun, ist unmittelbare professionelle Hilfe wichtig.
Psychische Gesundheit verdient dieselbe Aufmerksamkeit wie körperliche Gesundheit.
Fazit
Wir können nicht verhindern, dass die Tage kürzer werden. Wir können den Nebel nicht wegschieben und aus einem Regentag keinen Sommertag machen.
Vielleicht müssen wir das auch gar nicht.
Der Herbst darf ruhig sein. Er darf nachdenklich machen und uns dazu bringen, ein bisschen langsamer zu werden.
Wichtig ist, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören, Tageslicht und Bewegung zu suchen, mit anderen verbunden zu bleiben – und ernst zu nehmen, wenn aus einem saisonalen Tief mehr wird.
Denn selbst wenn draussen tagelang keine Sonne scheint:
Ein paar kleine Sonnenstrahlen können wir trotzdem im Herzen tragen.☀️
Dein wellvida-Team



